Semiotik und Klang


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Welche zeichenhafte Qualitäten haben einzelne Klangereignisse – jenseits musikalischer Praktiken? Worin besteht ihre spezifische Zeichenhaftigkeit – untersucht anhand konkreter, pragmatisch verankerter Zeichenprozesse? Wie konstituieren sich solche Klangzeichen im Spannungsfeld lebensweltlicher Praktiken, ihrer kulturell-historischen Einbettung und individuellem (Hör-)Erleben?

Der 34. Band der 1979 gegründeten Zeitschrift für Semiotik setzt sich in einem besonderen Themenheft mit diesen grundlegenden Fragen der Sound Studies auseinander. Das Heft gliedert sich dazu in vier Teile: ausgehend von fundamentalen Überlegungen zum Klang (in Musikgeschichte und aktueller Popmusik) wenden sich die Artikel spezifischen Aspekten von Klängen im Alltagsleben (Semiotik der Popmusik, der Stimme und der Situation) zu; sie stellen historische und aktuelle Theorieansätze (cultural studies, Flusser, Uexküll) vor und führen in die Erforschung der Klangumwelt in ihrer historischen Entwicklung (Soundscape Studies) und anhand konkreter Beispiele (Berliner Reichstag, Kongresshalle, Bezirk Berlin-Kreuzberg) ein.

Das Themenheft entstand in Zusammenarbeit mit namhaften Kolleginnen und Kollegen des internationalen DFG-Forschernetzwerkes Sound in Media Culture wie Susanne Binas-Preisendörfer, Jochen Bonz, Veit Erlmann oder Franco Fabbri sowie mit erfahrenen (teils als Klangkünstlerinnen tätigen) Forscherinnen wie Christa Brüstle, Anke Eckardt, Annie Goh, Carla Müller-Schulzke oder Ulrike Sowodniok.

Wir möchten mit diesem Heft eine intensive und zugleich breite Einführung in die Sound Studies aus Perspektive der Semiotik bieten: Wie lassen sich Geräusche und Klänge des täglichen Lebens semiotisch deuten? Wie ist die Bedeutung klanglicher Zeichen kulturell geprägt? Welche klanglichen Zeichen lassen sich in Artefakten der populären Musik auffinden? Wie transformieren einzelne, ereignishafte Klänge oder Klanggeflechte den situativen Eindruck eines Ortes? In welchem Verhältnis befinden sich die Forschungen der jüngeren sound studies wie auch der älteren acoustic ecology oder Klangökologie zu Theorien und Forschungsansätzen der Semiotik?


Das Inhaltsverzeichnis:

Holger Schulze: Die Zeichenhaftigkeit des Auditiven

I. Was ist Klang?
Christa Brüstle: Die Bedeutungen eines Geräuschs. Zur Semiotik der (außer)musikalischen Klangwahrnehmung
Susanne Binas-Preisendörfer: Populäre Sounds und Transkulturalität. Vom kulturellen Text zur kulturellen Praxis

II. Klänge in der Alltagskultur
Franco Fabbri: Das Zeichen des Pop. Klangzeichen in der Populären Musik
Ulrike Sowodniok: Stimmklang und Bedeutung. Fünf Perspektiven auf den resonierenden Körper – oder: Wer singt mir, die ich höre in meinem Körper das Lied
Holger Schulze: Situationsänderung durch Klang. Eine klanganthropologische Analyse

III. Drei Theorieansätze
Carla Müller-Schulzke: Driftende Klangzeichen. Zur semiotischen Klanganalyse in den Sound Studies
Annie Goh: Zeichen, Symbol und Symptom. Zur (spekulativen) Semiotik der Klänge bei Vilém Flusser
Veit Erlmann: Klang, Raum und Umwelt. Jacob von Uexkülls Musiktheorie des Lebens

IV. Erforschung der Klangumwelt
Jochen Bonz: Vom Verlust der Natur zur Umwandlung des Selbst. Soundscape Forschung im und nach dem Paradigma der Akustischen Ökologie
Anke Eckardt: Vertikalität und Macht. Drei Hörstudien: 1945 – 1965 – 2012