Nach der Signalstadt


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(Auszug aus einem Tagungsbericht der Clusterzeitung #110 vom 22. Juni 2015 des Exzellenzclusters Bild Wissen Gestaltung: vollständiger Tagungsbericht)

Der Titel der Tagung, »SIGNALSTADT« (Programm), möchte den Diskurs zu Klang und Stadt erweitern: eine Verengung auf allein auditive Phänomene sollte vermieden werden – es sollte die Gesamtheit der nicht-visuellen, der haptischen und olfaktorischen, der kinaesthetischen, auch der gustatorischen Signale in ihrer wechselseitigen Durchdringung als Formanten der gestalteten Stadterfahrung untersucht werden. Von Seiten der Architektur ist ein wachsendes Interesse zu beobachten, die tatsächliche Wahrnehmung der gebauten Räume durch die Sinne der Nutzer_innen und Bewohner_innen in den Mittelpunkt zu stellen. Die traditionellen Methoden der Darstellung werden dadurch herausgefordert, die eine scheinbar rein visuelle Annäherung an den Raum begünstigen. Darstellung und Darstellbarkeit eines solchen reichen Signalraums werden darum von den beiden interdisziplinären Seiten dieser Tagung, von Seiten der Kulturwissenschaften wie von Seiten der Architektur, befragt.

Um eine produktive, interdisziplinäre Konfrontation zu begünstigen, wählten wir ein gesprächsorientiertes Tagungsformat: Auf eine 20-minütige Präsentation der Beitragenden folgte jeweils eine 10-minütige Respons eines Tagungsbeiträgers aus einer jeweils anderen, vielleicht sogar entgegengesetzten Fachrichtung; hieran schlossen sich weitere 20 Minuten einer intensiven Publikumsdiskussion an, sich zumeist direkt aus den Fragen der Respondenten und Respondentinnen ergebend. Die Respondenten konnten durch diese provozierte Konfrontation die Fragen auf der Grundlage ihrer eigenen Expertise ihrer Fachrichtung unmittelbar an die andere Fachrichtung: Das interdisziplinäre Lernen, Verstehen, auch Übersetzen und Einbeziehen wurde so systematisch erzwungen und damit erst ermöglicht. […] Unsere durchgängige Frage, der Generalbass dieser Tagung, lautete: Inwieweit kann die auditive Wahrnehmung von Raum in den Mitteln des Entwerfens und der Darstellung in der Architektur berücksichtigt oder sogar das Ziel von architektonischer Planung werden?

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Zur Tagung hatten wir insgesamt 15 Beitragende aus den Kulturwissenschaften und der Architektur eingeladen, die ihre Berufs-, Forschungs- und Lehrerfahrung aus den USA, aus Frankreich, der Schweiz, Österreich, Dänemark, Ägypten und Deutschland in der Diskussion vorstellen konnten; an den beiden Tagen waren jeweils etwa 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu Gast im Jacob-und-Wilhelm-Grimm Zentrum – ein Großteil hiervon waren Architekten und Stadtplaner, ein kleinerer Teil waren Kultur-und Medienwissenschaftler sowie Klangkünstler und Musiker.

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Am Ende der zwei Tage mit Sektionen zur Kulturgeschichte des Architekturklangs, zu Ansätzen einer klangbewussten Entwurfsmethodik, mit einer Debatte über Auditives in Zeitschriften und Wettbewerben der Architektur in der AEDESGalerie, mit ausgewählten Klangbeispielen aus der Architekturpraxis und abschließend programmatischen Beiträgen zur auditiven Kulturtheorie auditiver Räume stand eine grundsätzlich Debatte um die Sprache der Architektur und der Stadtplanung. Das Sprechen über aural architecture, so konnten wir feststellen, scheint sich als ein international und interdisziplinär tragfähiger Diskurs derzeit zu etablieren. Ein Diskurs, der keineswegs schon abschließend kodifiziert und in Regularien verordnet wäre; doch zeigen die vielfältigen, interdisziplinären Bemühungen zwischen Kulturtheorie und Architekturpraxis, wie diese Ansätze sich begrifflich, konzeptuell und in ihren Praktiken der Forschung, der Planung und der Lehre auf ein näherungsweise vergleichbares Diskursfeld zubewegen. Alle Beiträge der Tagung – auch die beiden Soundwalks – sollen in den nächsten Wochen online zugänglich gemacht werden; eine Publikation ist in Vorbereitung.